Schnellfahrstrecken in China

China verfügt über das längste Schnellfahrstreckennetz der Welt. Im zweiten Halbjahr 2015 wurde die Marke von 20.000 Streckenkilometern überschritten, auf denen Hochgeschwindigkeitszüge unterwegs sind. Davon entfallen rund 11.000 Kilometer, die für Geschwindigkeiten zwischen 200 und 250 km/h trassiert sind, während auf 9.000 Kilometern Länge mit 300 km/h oder gar 350 km/h gefahren wird. Im Jahr 2020 soll das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz gar auf 25.000 Kilometer angewachsen sein. Dabei gilt zu beachten, dass die schnellen Züge in verschiedenen Klimazonen verkehren. Im Norden Chinas können die Tiefsttemperaturen -40°C erreichen, während im Süden bis zu +45°C herrschen können — eine Herausforderung für die Infrastruktur und das rollende Material.[1]

Nachfolgend werden die wichtigsten Neubaustrecken veröffentlicht. Die Aufzählung ist derzeit nicht vollständig.

Streckennetz in China

Schnellfahrstrecke "Beijing – Guangzhou" (2290 km)

Skizze Streckenverlauf

China eröffnete am 26. Dezember 2012 die längste Schnellfahrstrecke der Welt. Sie führt von Beijing in die 2298 Kilometer entfernte Metropole Guangzhou. Mehr als 30 Zwischenbahnhöfe liegen entlang der Trasse. Bis zu 155 Zugpaare verkehren täglich auf der Neubaustrecke mit mehr als 300 Stundenkilometern. Die Reisezeit zwischen Beijing und Guangzhou schrumpfte damit von 20 Stunden auf nur noch 8 Stunden – vorausgesetzt, man nimmt die Züge, die am wenigsten Zwischenhalte einlegen. Genau genommen besteht die längste Hochgeschwindigkeitsstrecke aus mehreren Trassen, die größtenteils bereits vorher in Betrieb gingen, wie die Streckenskizze zeigt. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 9300 Kilometern hat China schon heute das größte Schnellfahrstreckennetz der Welt.

Schnellfahrstrecke "Harbin – Dalian" (921 km)

Skizze Streckenverlauf

Nach einer Bauzeit von lediglich fünfeinhalb Jahren ging am 1. Dezember 2012 die 921 Kilometer lange Schnellfahrstrecke der Superlative in Betrieb. Sie führt durch Chinas kalten Nordosten, wo im Winter Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius herrschen können und Schneestürme keine Seltenheit sind. Auf Sicherheit soll besonders Wert gelegt worden sein. Unter anderem überwachen Kameras den Fahrweg, da dieser über das Jahr verteilt hohen Temperaturschwankungen unterliegt. 70 Prozent der Strecke verlaufen auf Viadukten, damit Schmelzwasser ungehindert abfließen kann. 20 Prozent der Strecke, dessen Unterbau direkt auf dem Boden verlegt wurde, mussten bereits wegen Verwerfungen ausgewechselt werden. Kein Wunder also, dass die Baukosten mit 92,6 Milliarden Renminbi (umgerechnet zirka 11,2 Milliarden Euro) recht hoch waren.

Zwar sind sowohl die Hochgeschwindigkeitszüge wie auch die Neubaustrecke für 350 Stundenkilometer ausgelegt, aber wegen des extremen Klimas entschied man sich, während der Wintermonate (1. Dezember bis 31. März) mit "nur" 200 km/h zu fahren. Im Sommerfahrplan (1. April bis 30. November) soll die Höchstgeschwindigkeit bei 300 Stundenkilometern liegen. Pro Tag pendeln 67 Zugpaare zwischen Harbin und Dalian. Züge, die an keinem der 23 Unterwegsbahnhöfe halten, bewältigen die 921 Kilometer lange Trasse im Sommer in gut 3 Stunden.

Schnellfahrstrecke "Zhengzhou – Wuhan" (536 km)

Skizze Streckenverlauf

Beide Städte sind seit dem 28. September 2012 nur noch knapp zwei Zugstunden voneinander entfernt. Hochgeschwindigkeitszüge der Serie CRH380AL verkehren auf der für 350 Stundenkilometer ausgelegten Trasse mit derzeit 300 km/h. Konventionelle Personenzüge benötigten für diese Distanz viereinhalb Stunden. Die Neubaustrecke, deren Bau am 28. Oktober 2008 begann, ist ein wichtiges Bindeglied für die Schnellverbindung von Beijing zum knapp 2300 Kilometer entfernten Guangzhou.

Schnellfahrstrecke "Bengbu – Hefei" (132 km)

Skizze Streckenverlauf

Am 16.10.2012 ging die Verbindungsstrecke von Bengbu nach Hefei in Betrieb. Die Bauarbeiten an der nur 132 Kilometer langen Strecke begannen im Januar 2009. Trotzdem verkürzt sich dank der neuen Trasse die Fahrzeit um eine Stunde auf nur noch 38 Minuten. Täglich rollen bis zu 9 Züge mit bis zu 300 Stundenkilometern über das wichtige Bindeglied für Züge von und nach Beijing.

Schnellfahrstrecke "Beijing – Shanghai" (1318 km)

Skizze Streckenverlauf

Nach einer Rekordbauzeit von lediglich drei Jahren wurde die neue Prestigestrecke für den Personenverkehr freigegeben. Die Reisezeit halbierte sich damit auf weniger als fünf Stunden. Umgerechnet 24 Milliarden Euro soll der Bau der für 380 Stundenkilometer ausgelegten Trasse gekostet haben. Das ist vergleichsweise günstig, denn parallel dazu wurden 24 neue Großbahnhöfe aus dem Boden gestampft. Tausende Menschen mussten (Zwangs-)umgesiedelt werden. Sogar ein Friedhof mit 100.000 Verstorbenen musste weichen! Dass solch ein Großprojekt in nur drei Jahren entsteht, ist dem großen Heer von Arbeitern zu verdanken, die rund um die Uhr an mehreren Stellen der Schnellfahrstrecke gleichzeitig gearbeitet haben. Auf der neuen Strecke rollen die Superzüge wegen Geschwindigkeitsbeschränkungen zurzeit nur mit 300 km/h dahin. Für Aufsehen hatte eine Rekordfahrt mit einem CRH380AL gesorgt. Der Zug erreichte am 3. Dezember 2010 auf der Strecke "Beijing – Shanghai" 486,1 km/h.

Schnellfahrstrecke "Ürümqi – Hami — Lanzhou (1776 km)

Im Januar 2010 begannen die Bauarbeiten an einer Neubaustrecke im Westen Chinas. Das erste, 530 Kilometer lange Teilstück zwischen Ürümqi und Hami konnte bereits am 16. November 2014 eröffnet werden. Die Trasse streift die Wüste Gobi, weswegen viele Abschnitte mit Windschutzzäunen gegen Seitenwind versehen sind. Außerdem werden die 530 Streckenkilometer permanent videoüberwacht. Nicht nur Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ CRH5A nutzen die Schnellfahrstrecke —für die sie mit drei Zwischenhalten nur 3 Stunden benötigen — sondern alle Personenzüge, die bisher die alte Strecke nutzten. Dadurch kann diese nun ausschließlich für den Frachtverkehr genutzt werden. Ende 2015 soll die komplette Neubaustrecke bis Lanzhou in Betrieb gehen.

Quellenangaben

  1. "Celebrate the past, design the future — CRH trains soak up demand", Railway Gazette International, 07/2015, S. 35.
  2. Aktualisiert am: 30.09.2015