ICE 4 (ICx) Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens für die Deutschen Bahn AG

ICx Prototyp in Würzburg Hbf.Inneneinrichtung des ICxICx Führerstand

Die Intercity-Flotte der Deutschen Bahn ist inzwischen in die Jahre gekommen. Manche Wagen sind bereits seit 1971 im Einsatz und wurden bereits renoviert. Die ICE-Züge der ersten beiden Generationen haben auch schon rund die Hälfte ihres Einsatzzeitraumes hinter sich und müssen in den kommenden Jahren durch neue Hochgeschwindigkeitszüge ersetzt werden. Daher erteilte die Deutsche Bahn im Mai 2011 bei Siemens Mobility einen Rahmenauftrag für bis zu 300 Triebwagenzüge. Die erste Bestellung beinhaltet die Herstellung von 130 Zügen mit der Typenbezeichnung „ICx“.

Technik des ICx

Die herausragende Neuerung beim ICx ist das modulare Antriebskonzept. Jeder Zug besteht aus antriebslosen Wagen, zwischen denen sogenannte „Powercars“ eingefügt werden. Ein einzelner „Powercar“ beinhaltet nicht nur die vier Fahrmotoren, sondern auch den Transformator, Traktionsstromrichter und die Traktionskühlanlage. Das Konzept ist im Grunde genommen nicht neu, denn bereits beim ET 403 aus den siebziger Jahren war jeder Wagen im Prinzip eine eigenständige Lokomotive. Beim ICE 3 bilden dagegen jeweils vier Wagen zusammen genommen eine Antriebseinheit.

Mit dem Powercar-Konzept ist es möglich, die Zuglänge beliebig zu variieren, ohne das Kraft-/Masseverhältnis zu verändern. Andererseits ist es auch möglich, die Antriebsleistung eines Zuges durch das Einfügen von mehr Powercars für steigungsreiche Strecken problemlos zu erhöhen.

Die Laufdrehgestelle von Bombardier sollen besonders gleisschonend, leise und energiesparend sein. Die Triebfahrwerke wurden gegenüber denen des ICE 3 weiterentwickelt. Ein zuginternes Kommunikationssystem verbindet nicht nur die einzelnen Geräte miteinander, sondern erlaubt auch eine automatische Fahrzeugdiagnose und hilft bei der Fahrzeuginstandhaltung und Inbetriebnahme des Zuges.

ICx-Inneneinrichtung

Ein 200 Meter langer ICE 3 besteht aus zwei End- und sechs Mittelwagen. Beim ICx wurden die Einzelwagen jedoch auf 28 Meter verlängert. Daher sind bei gleicher Zuglänge nur sieben Wagen notwendig. Damit fällt ein Wagenübergang zugunsten von mehr Sitzplätzen weg. Die Sitze wurden im Vergleich zum ICE 3 hinsichtlich der Ergonomie weiter optimiert und erfüllen die Anforderungen des Brand-, Gesundheit- und Umweltschutzes. Die Fahrgastbereiche können problemlos und zügig an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden.

Große Panoramascheiben bieten einen großzügigen Blick nach draußen. In den Fußböden eingelassene Leuchtbänder kennzeichnen den Weg zum Ausgang. Natürlich wurde auch an die Menschen mit reduzierter Mobilität gedacht. Der ICx bietet mit Rollstuhlplätzen und einer geräumigen Toilette eine gewisse Barrierefreiheit.

Auslieferung und Einsatz

Die Inbetriebnahme aller 300 ICx soll zwischen 2015 und 2025 erfolgen. Im ersten Schritt müssen die lokbespannten Intercity-Züge den neuen Hochgeschwindigkeitszügen weichen. Ab 2020 müssen die ICE-1-Kompositionen ausgemustert werden und ab 2025 ersetzen die ICx die 44 ICEs der zweiten Generation.

Seit dem 25. September absolviert der ICx auf dem öffentlichen Netz der Deutschen Bahn seine Testfahrten. Dabei richtet DB Systemtechnik ihr Augenmerk auf das Zusammenspiel zwischen Fahrgestelle, Räder und Schienen. Aber auch die Zugsicherung sowie die Energieversorgung stehen im Fokus der Messfahrten. Das Geschwindigkeitsspektrum reicht von zunächst 160 km/h bis hin zur maximal zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Ende 2017 sollen die ersten Garnituren im regulären Fahrplan eingebunden werden. Doch bereits ab dem 24.10.2016 soll der ICE 581 von Hamburg nach München via Würzburg mit einem ICE 4 bedient werden, um Erfahrungen mit Personentransport zu sammeln. Nur Donnerstags und bei Problemen wird der ICE 4 durch einen ICE 1 ersetzt werden.

Die technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit eines siebenteiligen ICx soll bei „nur“ 230 Stundenkilometern liegen. Eine zehnteilige Einheit als ICE-Ersatz wird es auf bis zu 250 km/h bringen. Damit sind die Fahrzeuge der ICx-Familie deutlich langsamer als die ICEs, die auf der für 320 bis 350 km/h ausgelegten Velaro-Plattform basieren. Das ist jedoch nicht tragisch, da in Deutschland sowieso nur auf äußerst wenigen Strecken mit mehr als 250 km/h gefahren werden kann.

Technische Daten: ICE 4 (ICx)

Zug- / Baureihenbezeichnung:ICE 4 (10-Teiler)
Einsatzland:Deutschland
Hersteller:Siemens
Zugtyp:Triebwagenzug
Anzahl der Endwagen:2 Endwagen
Anzahl der Mittelwagen:3 Mittelwagen
Anzahl der Motorwagen:5 Motorwagen
Anzahl der Sitzplätze 1. / 2. Klasse / Restaurant:210 / 491 / 23 (724 insg.)
Spurweite:1435 mm
Stromsystem(e):15 kV / 16,67 Hz
25 kV / 50 Hz
1,5 kV / DC
3,0 kV / DC
Technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit:249 km/h
Höchstgeschwindigkeit im Plandienst:249 km/h
Antriebsleistung des Zuges:8.250 kW
Bremssystem(e):Druckluftbremse mit zusätzlicher generatorischer Bremse (Rückspeisung)
Schienenbremse als Magnetschienenbremse
Jakobsdrehgestelle:Nein
Neigetechnik:Nein
Zug fährt auch in Traktion:Ja
Anzahl der Achsen / davon angetrieben:40 / 20
Achsformel:2'2'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+2'2'+Bo'Bo'
+Bo'Bo'+2'2'+Bo'Bo'+2'2'+2'2'
Achslast (maximal):18 t

Interne Links zum ICx

Weblinks:

Aktualisiert am: 20.09.2016