JR 500; Quelle unbekanntJR 500 mit Blick auf die spitze Nase; (c) by Shinji Iwai

Entwicklung / Design

Nach dem erfolgreichen Einsatz der Baureihe 300 auf der Strecke Tokio - Osaka und Tokio - Hakata gaben sich die Konstrukteure nicht mit den Verbesserungen, die in das Modell 300 einflossen, zufrieden. Deswegen wagte man sich weiter in technisches Neuland und entwickelte den Testzug WIN 350. Die gewonnenen Daten aus diesem Testzug flossen in die Konstruktion eines Prototyps der Baureihe 500 ein.

Sehr markant ist das schnittige Design der Kopfform des Superzuges. Gestylt wurde die Baureihe 500 von Alexander Neumeister aus einem deutschen Design-Büro in München. Er ist einer der angesehensten Gestalter von Hochgeschwindigkeitszügen. So gab er unter anderem auch dem ICE 3, ICE-T und dem Transrapid seine Formen.

Technik

Es wurden über einen Zeitraum von drei Jahren 9 Shinkansen-Serienzüge der Baureihe 500 gebaut. Jeder Zug besteht aus 14 Mittelwagen und 2 Endwagen. Alle Achsen werden durch 275 kW starke Wechselstrommotoren angetrieben. Damit verfügt er über eine Antriebsleistung von 17.600 kW. Technisch ist er für 320 km/h zugelassen, darf aber wegen den strengen Umweltschutzbestimmungen die Sanyo-Strecke nur mit 300 km/h befahren. Auf der Tokaido-Strecke sind wegen der geringen Kurvenradien sogar nur 275 km/h erlaubt. Der Zug erreicht durch eine aktive Federung zwischen Drehgestell und Wagenrahmen eine besonders hohe Laufruhe. Zwischen den einzelnen Wagen sind Knick-Dämpfer angebracht, um die Stabilität bei Schnellfahrten gegenüber anderen Shinkansen-Baureihen zu erhöhen. Einmalig sind auch die eigenartig anmutenden Stromabnehmer. Diese wurden mit dem Testzug WIN350 entwickelt und mit dem Bau der Serie 500 im Alltag eingesetzt. Dies ist damit der leiseste Stromabnehmer aller Shinkansen-Generationen. Der Anpressdruck von jeweils zwei Pantographen pro Zug an den Fahrdraht beträgt 54 N. Dabei wird der Fahrdraht lediglich um ein bis zwei Zentimeter angehoben. In Europa sind es dagegen durchschnittlich sechs Zentimeter.

Inneneinrichtung

In den 3 Wagen der ersten Klasse (green class) bestimmt eine 2+2 Bestuhlung mit dezenten, warmen Farben das Ambiente, in den übrigen 13 Wagen der 2. Klasse (standard class) sind 2+3 Sitze quer zur Fahrtrichtung montiert. Da der Zug aber genauso breit gehalten ist wie sein Vorgänger, die Baureihe 300, wird der Komfort kaum geschmälert. Lediglich der Sitzabstand wurde um 2 Zentimeter verringert. Die Anzahl der Sitze entspricht denen der Baureihe 300. Eine teilweise indirekte Beleuchtung sowie Vorhänge an den Fenstern sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. In zwei Wagen können Reisende an Automaten Snacks und Getränke erhalten. Ein Bistro oder gar ein Bordrestaurant sucht man vergebens.

Einsatz

Nach der Fertigstellung des vierten Zuges nahmen die ersten Fahrzeuge am 22. März 1997 ihren Dienst auf. Bis Mitte 1998 wurde der Fuhrpark auf insgesamt 9 Fahrzeuge aufgestockt. Der Prototyp wird nicht für den Plandienst herangezogen. Alle 9 Shinkansen 500 verkehren zwischen Tokio und Hakata. Als die ersten Züge nur von Osaka bis Fukuoka fuhren, legten sie die 554,6 Kilometer in nur 2 Stunden 19 Minuten zurück und waren damit bis Mai 2001 Weltrekordhalter! Nun verkehren die Nozomi zwischen Tokio und dem 1069 Kilometer entfernten Hakata. Inklusive sieben Zwischenhalte benötigt dieser Nozomi für diese Distanz nur 4 Stunden 49 Minuten. Doch die drei Bahngesellschaften wollen zukünftig gemeinsam Hochgeschwindigkeitszüge bauen und so wird es wohl nur bei diesen 10 Zügen bleiben. Seit Dezember 2000 sind Gerüchten nach Umbauten an dem Stromabnehmer des Prototyps W1 vorgenommen worden. Ein neuer Pantograph ähnlich dem der Baureihe 700 soll den Lärmpegel weiterhin senken und eine Anhebung der Maximalgeschwindigkeit auf 320 km/h erlauben.

Am 9. Februar 2004 wurde die Zugeinheit W8 in einen Personenunfall verwickelt. Auf dem Weg von Tokio nach Hakata hörte der Fahrer des Zuges bei 270 km/h zwischen Mikawa-Anjo und Toyohashi einen dumpfen Schlag. Dennoch setzte er seine Fahrt bis Nagoya fort. Dort stellte man fest, dass in der spitzen Nase ein circa 40 Zentimeter großes Loch klaffte. Wie sich herausstellte, kletterte ein Mann über den zwei Meter hohen Zaun und wurde vom JR 500 sowie von einem Zug der Baureihe 700 erwischt.

TECHNISCHE DATEN:
Zug-/ Baureihenbezeichnung: Baureihe 500
Herstellerfirmen: Kawasaki Heavy Industries, Hitachi
Herstellungskosten pro Zug: k.A.
Anzahl der Züge: 9 Züge (+ 1 Prototyp)
Anzahl der Wagen: 16
Sitzplätze 1./2.Klasse/Restaurant: 200 (green class) / 1124 (standard class)
Baujahr: 1995 - 98
Spurweite: 1435 mm
Stromsystem(e): 25 kV / 60 Hz
Zugleitsystem(e): k.A.
Max. erreichte Geschwindigkeit: ---
höchste zul. Geschwindigkeit: 320 km/h
Fahrplanmäßige Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
Bremssysteme Zug: Rekuperationsbremse
Druckluft-Scheibenbremse
Beschleunigung: k.A.
Anfahrzugkraft: k.A.
Anzahl d. Achsen / davon angetrieben: 64 / 64
Anzahl / Art der Motoren: 64 / WMT204 Wechselstrom-Asynchron
Motorenleistung: 64 x 275kW (insg. 17.600 kW)
Jakobsdrehgestelle: Nein
Neigetechnik: Nein
Traktionsfähig: Nein
Radtyp
Radsatzanordnung:
Monobloc
Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+

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Raddurchmesser: 860 mm
Wagenfederung: Aktives Federungssystem (unbek. Bezeichnung)
Länge / Breite / Höhe Endwagen: 27.000 / 3.380 / 3.690 mm
Länge / Breite / Höhe Mittelwagen: 25.000 / 3.380 / 3.690 mm
Achslast (durchschnittlich): 10,1 t
Leergewicht Zug: 688 t
Länge des Zuges insgesamt: 404 m

[ Aufgrund von Widersprüchen in der mir vorliegenden Literatur können einige technische Daten variieren ]

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(c) 08.10.2005 by André Werske