Nach 20 Jahren erfolgreichen Betriebs der Shinkansen-Baureihe 0 erteilte die japanische Eisenbahngesellschaft JNR den Auftrag, eine neue Generation von Hochgeschwindigkeitszügen zu bauen. Eine Nachbestellung der Baureihe 0 kam nicht in Frage, da sich in der Zwischenzeit die Technik enorm weiterentwickelt hatte und zum anderen die Umweltschutzauflagen verschärft wurden, die die erste Shinkansen-Generation nicht mehr erfüllen konnte. Ab Oktober 1985 stand ein Prototyp zu Testzwecken zur Verfügung. Er erreichte 1986 eine Höchstgeschwindigkeit von 319 km/h. Der Serienfertigung stand nun nichts mehr im Wege.
Im Vergleich zu den Fahrzeugen der Baureihe 0 sind die Steuerwagen an den Enden des Zuges verlängert worden, was auf die aerodynamischere Kopfform zurückzuführen ist. Bei der Baureihe 100 sind nun nicht mehr alle Achsen angetrieben. Motorenlos sind die Steuer- und Doppelstockwagen. Eine vergleichsweise leichtere Konstruktion verbesserte das Beschleunigungsvermögen und reduzierte die Achslast auf 15 Tonnen.
Auch für den Reisenden machte sich der Fortschritt in Technik und Ergonomie positiv bemerkbar. Pro Zug stehen 1321 Sitzplätze über 16 Wagen verteilt zur Verfügung. Nicht nur in der 1. Klasse erhöhte sich der Fahrkomfort, sondern vor allem in der 2. Wagenklasse. So wurden dort die Rückenlehnen geneigter gebaut (verstellen lassen diese sich aber nicht), die Sitzbreite um 6 cm und der Sitzabstand um ganze 14 cm vergrößert. Die bequemen Sitze in der Anordnung 2+3 (2. Klasse) sind drehbar, d.h. man kann immer in Fahrtrichtung sitzen. Die beiden Doppelstockwagen sind nicht identisch. Einer ist als Speisewagen ausgeführt, der andere ist ein Erstklasswagen. In der unteren Ebene des Speisewagens befinden sich eine Küche, ein Bistro und der Durchgang. Über einen Speiseaufzug gelangen die Speisen von der Küche in das obenliegende Restaurant.
Die Western-Railway bindet in einigen Zügen sogar 4 Doppelstockwagen ein. Bei dieser Zugkonfiguration sind die Steuerwagen angetrieben. Diese zusätzlichen Wagen sind für Reisende der 1. Klasse gedacht. In der Baureihe 100 hielten auch Lichtschranken und Displays Einzug. Lediglich im Speisewagen wird ständig die aktuelle Geschwindigkeit angezeigt.
Standen 1988 lediglich 10 Züge im Plandienst, so waren 3 Jahre später 66 Garnituren à 16 Wagen quer durch Japan im Einsatz. Doch eine neue Baureihe war schon in Erprobung, so dass der Bau der Baureihe 100 eingestellt wurde.
Technische Daten der Baureihe 100 |
|
|---|---|
| Zug- / Baureihenbezeichnung: | Baureihe 100 |
| Hersteller: | Nippon Sharyo Kawasaki Sharyo Kinki Sharyo Kisha Hitachi |
| Anzahl der Züge: | 66 Züge |
| Zugtyp | Triebwagenzug |
| Anzahl der Endwagen: | 2 Endwagen |
| Anzahl der Mittelwagen: | 14 Mittelwagen |
| Anzahl der Sitzplätze 1. / 2. Klasse / Restaurant: | 168 / 1153 / --- |
| Baujahre: | 1985 - 1988 |
| Spurweite: | 1435 mm |
| Stromsystem(e): | 25 kV / 60 Hz |
| Technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit: | 270 km/h |
| Höchstgeschwindigkeit im Plandienst: | 220 km/h ( später: 230 km/h ) |
| Motoren: | 48 MT202 Gleichstrom-Motoren |
| Antriebsleistung des Zuges: | 11.040 kW ( 48 x 230 kW ) |
| Beschleunigung des Zuges: | 0.44 m/s² |
| Jakobsdrehgestelle: | Nein |
| Neigetechnik: | Nein |
| Zug fährt auch in Traktion: | Ja |
| Anzahl der Achsen / davon angetrieben: | 64 / 48 |
| Länge / Breite / Höhe der Endwagen: | 26.050 / 3383 / 4115 mm |
| Länge / Breite / Höhe der Mittelwagen: | 25.000 / 3383 / 4115 mm |
| Achslast: | 15 t |
| Zuglänge: | 402 m |
|
Angaben ohne Gewähr |
|