Geplante Hochgeschwindigkeitszug-Projekte

Natürlich gibt es Länder, die mit Hochgeschwindigkeitszügen liebäugeln und in dieser Hinsicht ehrgeizige Ziele verfolgen. Nicht wenige Schnellbahn-Projekte stellen sich jedoch als zu teuer heraus oder werden politisch torpediert und verlaufen sang- und klanglos im Sande. Auf dieser Seite werden Länder vorgestellt, die bisher noch keine Hochgeschwindigkeitszüge betreiben und deren Baubeginn noch unklar ist oder wo die Superzüge wieder in der Schublade verschwanden.


Argentinien

Zwischen Buenos Aires und Córdoba via Rosario sollte eine 710 Kilometer lange Schnellfahrstrecke gebaut werden. Angekündigt wurde das Projekt Ende April 2006. Die argentinische Regierung unterzeichnete 2008 einen 1,1 Milliarden Euro schweren Vertrag mit dem französischen TGV-Hersteller Alstom. Acht doppelstöckige TGVs sollten mit Tempo 320 verkehren und damit die bisherige Reisezeit von 14 Stunden auf drei Stunden drücken. Vier Jahre waren für den Bau der Trasse veranschlagt. Doch wegen der Finanzkrise musste das Hochgeschwindigkeitszug-Projekt eingestellt werden.

Auf dem Stand von 2008 geplante Schnellbahnstrecke in Argentinien


Australien

Bereits in den 70er Jahren gab es Bestrebungen, den „Sydney – Melbourne“-Korridor mit schnellen Zügen zu bedienen. Die Reisezeit zwischen diesen beiden Großstädten sollte von 12 auf 10 Stunden reduziert werden. Halbherzig wurde jedoch nur ein Teil der Trasse elektrifiziert und dieselelektrische Züge wurden beschafft.

1984 wurde ein Betrieb mit echten Hochgeschwindigkeitszügen vorgeschlagen. TGV-Züge sollten Melbourne, Canberra und Sydney miteinander verbinden. Doch aus Kostengründen wurde der Plan noch im gleichen Jahr verworfen.

Zwei Jahre später, im September 1986, gründete man das „Very Fast Train Joint Venture“. Diesmal waren 350 km/h schnelle Superzüge angedacht, die zwischen den oben genannten Städten pendeln sollten. Auch eine Verbindung nach Brisbane stand zur Diskussion. Die fünfjährige Bauphase sollte 1992 beginnen, doch das VFT Joint Venture wurde politisch in die Mangel genommen. Es gab Bedenken wegen Lärm und Schäden an der Umwelt, aber auch der finanzielle Rückhalt bröckelte. 1990 kamen Neigezüge ins Gespräch, um auf bereits existierenden Strecken schneller voranzukommen. 200 Stundenkilometer hätten so erreicht werden sollen. 1995 brachte die State Rail Authority eine X2000-Garnitur aus Schweden nach Australien, um ein achtwöchiges Testprogramm zu absolvieren. Wegen erheblicher Defizite der Infrastruktur musste auch diese Option gecancelt werden.

Richtung Ende der Neunzigerjahre kam das sogenannte „Speedrail Consortium“ in die engere Auswahl. Neun achtteilige Hochgeschwindigkeitszüge sollten im 45-Minuten-Takt mit bis zu 320 km/h zwischen Sydney und Canberra pendeln. Doch letztendlich schieden sich die Geister wieder an der Geldbeschaffung. Bis heute (2015) gab es immer wieder weitere Anläufe und Machbarkeitsstudien, doch ist man nicht in der Lage, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Auch auf lange Sicht wird es wohl keine Hochgeschwindigkeitszüge in Ozeanien geben.

Auf dem Stand von 2006 geplante Schnellbahnstrecke in Australien


Brasilien

Brasilien ist neben Argentinien ein weiterer Befürworter der schnellen Eisenbahn. Die erste Schnellfahrstrecke sollte zwischen Campinas, São Paulo und Rio de Janeiro entstehen und 510 Kilometer lang sein. Im Dezember 2012 gab die brasilianische Regierung bekannt, dass der Betrieb bereits im Jahr 2020 aufgenommen werden könnte. São Paulo und Rio de Janeiro wären dann mit 350 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszügen nur noch 1,5 Stunden voneinander entfernt. Die Entscheidung für das rollende Material steht allerdings noch aus.

Geplante Schnellfahrstrecke in Brasilien


Indien

In Indien gibt es ein paar Machbarkeitsstudien, auf welchen Relationen Hochgeschwindigkeitszüge am rentabelsten wären. Weit gediehen ist die im September 2013 in Auftrag gegebene Studie über eine 650 Kilometer langen Verbindung zwischen Pune, Mumbai und Ahmedabad. Als erste Bauphase ist die 534 Kilometer lange Distanz zwischen Mumbai und Ahmedabad angedacht, deren Trasse für 300 km/h schnelle Züge ausgelegt sein soll. Damit würde die Reisezeit von derzeit 6 Stunden auf unter 2 Stunden sinken. Frankreich und Japan unterstützen diese Machbarkeitsstudie.

Im Februar 2017 begannen die ersten geologischen Untersuchungen entlang der geplanten Trasse, die nun nur noch 508 Kilometer lang sein soll. Der Baubeginn ist für 2018 vorgesehen; mit der Fertigstellung wird 2023 gerechnet. Die normalspurige Schnellfahrstrecke wird größtenteils aufgeständert verlaufen und unter anderem durch einen sieben Kilometer langen unterseeischen Tunnel führen. Insgesamt 11 Bahnhöfe sollen gebaut werden. Für die Distanz Mumbai – Ahmedabad ist eine Reisezeit von 2 Stunden 7 Minuten (mit nur zwei Zwischenhalten) bis 2 Stunden 58 Minuten (bei allen Zwischenhalten) anvisiert. Inzwischen hat sich die Bahnbehörde "Ministry of Railway" für das rollende Material entschieden. Die Wahl fiel auf bis zu 350 km/h schnelle Shinkansenzüge der Serie E5. Aktuell wird mit einer Bestellung von 25 Garnituren gerechnet.

Weitere Korridore für den Schienenschnellverkehr werden derzeit noch untersucht. Unterstützung findet Indien bei seinem direkten Nachbarn China. So soll eine gemeinsame Studie über eine 2174 Kilometer lange Schnellfahrstrecke von Neu Delhi nach Chennai durchgeführt werden.

Geplante Schnellfahrstrecken in Indien


Kalifornien

Das Schnellbahn-Projekt „California High-Speed Rail“ geht auf die frühen Neunziger zurück, als die kalifornische Regierung eine Schnellfahrstrecke einführen wollte. Das Referendum wurde jedoch bis 2008 verschoben. Konkret geht es um eine schnelle Schienenverbindung zwischen Sakramento bzw. San Francisco im Norden mit Los Angeles und San Diego im Süden des Bundeslandes. Die Bahn füllt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern hierbei die Lücke zwischen langen Autofahrten und zu kurzen, unrentablen Distanzen für Flugzeuge.

Rund 1100 Kilometer werden für Hochgeschwindigkeitszüge neu- oder ausgebaut. Die Baukosten sollen sich auf 42 Milliarden belaufen. Am 6. Januar 2015 begannen bei Fresno die Bauarbeiten. Über das rollende Material wurde bisher noch nicht offiziell entschieden. In die engere Auswahl kommen der AGV von Alstom, der Velaro aus dem Hause Siemens sowie eine Shinkansen-Variante. Die Entscheidung soll Anfang 2016 fallen.

Auf dem Stand von 2015 geplantes Schnellstreckennetz in Kalifornien


Malaysia

Malaysia ist ein weiteres, asiatisches Land, in dem in Zukunft Hochgeschwindigkeitszüge eine Rolle bei der Bewältigung des zunehmenden Verkehrs spielen könnten. Bisher gibt es jedoch noch nicht einmal eine Machbarkeitsstudie, sondern nur die Überlegung, Kuala Lumpur mit Singapur mit einer 330 Kilometer langen Schnellfahrstrecke zu verbinden. Die Reisezeit soll dadurch auf 90 Minuten reduziert werden.

Eine auf dem Stand von 2015 angedachte Schnellfahrstrecke in Malaysia


Mexiko

Noch im Februar 2014 gedieh das Projekt um eine Schnellfahrstrecke zwischen Mexiko Stadt und dem 212 Kilometer entfernten Querétaro. Die dazwischen liegenden Städte Huehuetoca und San Juan del Río sollten mit Zwischenbahnhöfen angebunden sein. 300 Stundenkilometer schnelle Zügen würden von Endbahnhof zu Endbahnhof nur 1 Stunde 2 Minuten benötigen. Man rechnete mit einem Passagieraufkommen von 11.200 Personen pro Tag. Anderen Quellen zufolge würden sogar 23.000 Fahrgäste täglich die Hochgeschwindigkeitszüge nutzen. Die Aufnahme des Plandienstes stand für 2017 in Aussicht.

China witterte seine Chance, seine „Eigenkonstruktion“, den Harmony-Express, nach Mexiko zu verkaufen. Doch der Milliardendeal platzte im November 2014: Mexikos Opposition zweifelte die Ausschreibung an und nur vier Tage nach dem Zuschlag für das 2,6 Milliarden Euro-Projekt an die Chinesen wurde der Auftrag wieder zurückgezogen. Zurück blieben lange Gesichter, wäre die Schnellbahn doch die erste ausländische Referenzstrecke für die chinesische Bahnindustrie gewesen.

Im Februar 2015 verkündete die mexikanische Regierung plötzlich das Aus für die geplante Neubaustrecke zwischen Mexiko Stadt und Querétaro. Finanzielle Verwerfungen, unter anderem durch den zwischenzeitlich stark gefallenen Ölpreis, zwangen zur Einstellung des Projekts auf unbestimmte Zeit.

Ehemals geplante Schnellfahrstrecke in Mexiko

Aktualisiert am: 17.06.2017