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EC250 "Giruno" Hochgeschwindigkeitszug von Stadler

EC250 Giruno Hochgeschwindigkeitszug in Würzburg Hbf.EC250 Giruno Hochgeschwindigkeitszug in Würzburg Hbf.EC250 Giruno Hochgeschwindigkeitszug in Würzburg Hbf.

Anlässlich des Baus des Gotthard-Basistunnels schrieben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Frühjahr 2012 eine neue Generation von Hochgeschwindigkeitszügen aus.[4] Alstom, Siemens, Talgo und Stadler bewarben sich mit ihrem Produktportfolio. Die Entscheidung fiel klar zugunsten von Stadler Rail, weil das Angebot dieses Bahnherstellers an besten den Kriterien entsprach, die die SBB bezüglich des rollenden Materials aufstellten.[1][4] Im Oktober 2014 wurde der Vertrag unterschrieben.[2]

Die Herstellung und Zulassung der EC250-Züge

Stadler Rail stellt vorerst 29 elfteilige Hochgeschwindigkeitszüge in ihrem Werk in Bussnang her. Es besteht eine Option über 92 weitere Garnituren.[1] Der Name "Giruno", denen die SBB dem EC250 gaben, leitet sich aus dem rätoromanischen Wort für "Bussard" ab.[3][4] Anhand eines sogenannten Mockup, eines 1:1-Modells, wurde das Interieur bestimmt und optimiert, wobei mehr als 270 Vorschläge eingeflossen sein sollen. Teure Umstellungen während der Produktion wurden so vermieden.[5] Auf der InnoTrans2016 in Berlin konnten Besucher bereits eine fünfteilige Komposition in Augenschein nehmen.[6] Der offizielle Rollout der ersten kompletten Einheit fand bei Feierlichkeiten am 18. Mai 2017 im Herstellungswerk von Stadler in Bussnang statt. Es wurde hervorgehoben, dass innerhalb von nur 30 Monaten der EC250 vom Grunde auf gestaltet und hergestellt wurde — das sei sensationell![3] Die Inbetriebsetzungsfahrten erfolgten auf einem stillgelegten Streckenabschnitt zwischen Sihlwald und Sihlbrugg. Testfahrten mit ETCS Level 2 sind auf der Gotthard- und Lötschberg-Basislinie sowie auf der Neubaustrecke Mattstetten – Rothrist vorgesehen.[7] Im Juli 2017 rollte der erste Zug erstmals durch den Gotthard-Basistunnel. Es folgten Zulassungsfahrten im Eisenbahn-Versuchsring im tschechischen Velim.[2] 2018 werden Zulassungsfahrten im Hochgeschwindigkeitsbereich stattfinden, vornehmlich auf deutschen Neubaustrecken.[4] In der Vergangenheit war insbesondere der Schnellfahrstreckenabschnitt "Würzburg – Fulda" dafür prädestiniert, auf dem bereits die Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ TGV-PSE, Thalys PBKA, ETR 610 sowie die verschiedensten ICE-Testzüge gesichtet wurden.

Technik des EC250 Giruno

Stadler wirbt damit, dass es sich bei den Girunos um die ersten, zu 100 Prozent niederflurigen Hochgeschwindigkeitszüge der Welt handelt. Von Bahnsteigen, die eine Höhe von 550 bzw. 760 Millimetern aufweisen, kann man entweder stufenlos einsteigen oder hat lediglich eine Stufe zu besteigen – je nachdem, welche Türen man nutzt.[4] Unter anderem auch deshalb erfüllen sie hundertprozentig die Anforderungen für behindertengerechte Schienenfahrzeuge.[3] Alle 29 Einheiten sind mehrsystemfähig und für Einsätze in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz konzipiert. Jede Gliederzugeinheit ist 202 Meter lang. Der Antrieb mit acht Fahrmotoren ist über den Zug verteilt und in vier Jakobsdrehgestellen untergebracht.[1][3] Im übrigen fehlt den Giruno-Hochgeschwindigkeitszügen die Einrichtungen für das Zugbeeinflussungssystem ZUB sowie dem Zugsicherungssystem Signum. Man ist also auf Strecken mit ETCS Level 1 und Level 2 als Zugbeeinflussungssysteme angewiesen.[7] Für die Fahrten durch den Gotthard-Basistunnel muss die Klimaanlage mit den hohen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit zurechtkommen.[3]

EC250 Inneneinrichtung

422 Fahrgäste finden im EC250 von Stadler Platz: 117 Sitzplätze befinden sich in der ersten Klasse, 288 Sitzplätze in der zweiten Klasse sowie 17 Sitzgelegenheiten im Restaurantwagen.[3] Niederflurige Einstiege erleichtern das Ein- und Aussteigen der Passagiere mit viel Gepäck sowie älterer oder mobilitätseingeschränkter Fahrgäste. In beiden Wagenklassen soll es eine Ruhezone, eine für Familien sowie eine Business-Zone geben. An allen Sitzplätzen befinden sich Steckdosen, sowohl in deutscher als auch schweizer Ausführung.[1][4] Darüber hinaus sollen die Züge dank UMTS und LTE einen stabilen und schnellen Internetzugang bereitstellen.[1] Die Toilettenanlagen sind nach Geschlecht getrennt aufgeteilt.[1]

Zukünftige Einsatzgebiete der EC250-Giruno-Hochgeschwindigkeitszüge

Haupteinsatzgebiet der ersten 29 Giruno-Züge werden die Verbindungen "Basel – Mailand" und "Zürich – Mailand" via Gotthard-Basistunnel sein. Die bisherigen Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ETR 610 und ICN werden damit von diesen Relationen verdrängt.[1] Ab 2019, wenn die ersten Hochgeschwindigkeitszüge von Stadler in Dienst gestellt werden, soll die Reisezeit zwischen Zürich und Mailand auf nur noch drei Stunden schrumpfen.[5] Heutige Eurocity-Züge benötigen knapp dreieinhalb Stunden (Stand: März 2018). Für später ist eine Verbindung von Frankfurt nach Mailand angedacht.[6] Selbst Hamburg soll zukünftig mit dem EC250 angebunden werden.[4]

Zukünftiges Einsatzgebiet des EC250 Giruno ab 2019

Quellenangaben

  1. "Stadler wins Gotthard base tunnel high speed train contract", Railway Gazette International, News vom 09.05.2014.
  2. "First Giruno runs through the Gotthard Base Tunnel", Railway Gazette International, News vom 03.07.2017.
  3. "250 km/h low-floor trainset for the Gotthard Base Tunnel rolled out", Railway Gazette International, News vom 18.05.2017.
  4. "Erster RABe 501 ‘Giruno’ für die SBB vorgestellt", Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2017, S. 342.
  5. "Mock-up verifies Stadler’s Gotthard train design", Railway Gazette International, News vom 07.07.2015.
  6. "EC250 high speed EMU presented to SBB", Railway Gazette International, News vom 22.09.2016.
  7. "Inbetriebsetzung des ersten Giruno-Zuges hat begonnen", Eisenbahn-Revue International, Heft 3/2017, S. 117.

Technische Daten: EC250 Giruno

Zug- / Baureihenbezeichnung:EC250 Giruno
RABe 501 001-029
Einsatzland:Deutschland, Italien, Österreich, Schweiz.
Hersteller:Stadler Rail
Herstellungskosten pro Zug:27.71 Mio. Euro
Herstellungskosten pro Zug im Detail:insg. 970 Millionen Schweizer Franken
Anzahl der Züge:29 Züge
Zugtyp:Triebwagenzug
Anzahl der Endwagen:2 Endwagen
Anzahl der Mittelwagen:9 Mittelwagen
Anzahl der Sitzplätze 1. / 2. Klasse / Restaurant:117 / 288 / 17 (422 insg.)
Sitzplätze im Detail:4 Wagen erster Klasse
1 Speisewagen
6 Wagen zweiter Klasse
(286 Sitzplätze 2. Klasse gemäß anderen Quellen!)
Baujahr:2014
Inbetriebnahme:2019
Spurweite:1435 mm
Stromsystem(e):15 kV 16,7 Hz (Deutschland, Schweiz)
3 kV Gleichstrom (Italien)
25 kV 50 Hz (Italien)
Zugleitsystem(e):ETCS Level 1 und 2 (Europa)
PZB (Deutschland)
LZB (Deutschland)
SCMT (Italien)
Technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit:249 km/h
Höchstgeschwindigkeit im Plandienst:249 km/h
Motoren:8 Motoren
Antriebsleistung des Zuges:6.000 kW ( 8 x 750 kW )
Anfahrzugkraft:300 kN
Jakobsdrehgestelle:Ja
Neigetechnik:Nein
Zug fährt auch in Traktion:Ja
Anzahl der Achsen / davon angetrieben:24 / 8
Achsformel:2'Bo'Bo'2'2'2'2'Bo'Bo'2'2'2'
Länge / Breite / Höhe der Endwagen:--- / 2900 / 4255 mm
Länge / Breite / Höhe der Mittelwagen:--- / 2900 / 4255 mm
Achslast (maximal):18 t
Leergewicht:388,3 t
Zuglänge:202 m

Weitere Informationen

Weblinks:

Aktualisiert am: 01.03.2018

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