Die Deutsche Bundesbahn konnte auf einen jahrelangen, erfolgreichen Einsatz von Elektrolokomotiven zurückblicken. Der lnterCity war seit 1973 das Rückgrat des schnellen Personenverkehrs. Allerdings ist bei lokbespannten Zügen die Außenhaut nicht bündig und bei Geschwindigkeiten größer 200 km/h verbraucht der Fahrtwind einen Großteil der Energie. In Japan und Frankreich setzte man dagegen schon früh bündige Züge ein. Animiert durch diese Vorbilder wurden Pläne für einen völlig neu gestalteten Zug gemacht. Vor dem Betreten technischen Neulands mussten aber umfassende Studien beim Bundesministerium für Forschung und Technologie gemacht werden. Im August 1974 wurden Pläne eines dreiteiligen Hochgeschwindigkeitszuges für Geschwindigkeiten um 350 km/h erörtert. Vier Jahre später visierte man die Entwicklung eines 300 km/h schnellen "Super-IC" an. Dieser Triebkopfzug sollte zwischen 200 und 600 Fahrgäste transportieren. Nach dem Bau eines Rad/Schiene-Versuchs- und Demonstrationsfahrzeuges (RIS-VD) und einer Eisenbahnversuchsanlage betrieben die Ingenieure bis 1979 ein Forschungsprogramm. Mitte Dezember 1979 wurde das Versuchsfahrzeug 1 vorgestellt. Es war ein gelber, motorisierter Wagen mit drei Laufwerken. In der Mitte konnte ein Versuchslaufwerk eingebaut werden. Nach eingehenden Analysen kam man zu dem Schluss, einen flexibel einsetzbaren Triebzug mit zwei identischen Triebköpfen zu konstruieren. Ein Jahr später war die Finanzierung gesichert und so konnte im September 1982 mit dem Bau des InterCityExperimental begonnen werden.
Am Bau der Triebköpfe waren die Firmen Krauss-Maffei, Krupp, Thyssen-Henschel, AEG, BBC und Siemens beteiligt. Ende 1984 begann die Entwicklung und der Bau der Mittelwagen und Triebköpfe. Zum "Roll out" des InterCityExperimental der Baureihe 410 001 hatte Krupp am 19. März 1985 Eisenbahnfachleute und die Presse nach Essen eingeladen. Kurze Zeit später erfolgte die Inbetriebnahme der Fahrzeuge. Nach ersten Fahrversuchen wurden die Einstellarbeiten an der Zugsteuerung durchgeführt, die das Fahren beider Triebköpfe im Zugverband erlaubt. Zur selben Zeit stellten die Firmen in Donauwörth die drei unterschiedlich ausgestatteten Mittelwagen 810 001, 002 und 003 fertig. Rund sechzig Prozent der Entwicklungs- und Baukosten, die sich auf insgesamt 94 Millionen DM beliefen, wurden vom Bundesforschungsministerium übernommen. Den Rest trugen die Hersteller und die Deutsche Bundesbahn.
Besonders wichtig bei der Konstruktion der Mittelwagen war, dass sie sich ohne Probleme zügig von einer Wagenklasse in die andere umrüsten lassen. Die Klimatisierung und die außenbündig geklebten Fenster entstammten dem Flugzeugbau. Neu war auch der Fußbodenaufbau mit einer wirksamen Schalldämmung.
Für den Personenverkehr wurden gleich darauf 60 IC-Express-Züge (ICE 1) in einer leicht abgeänderten Form bestellt. Der IC-Experimental war anschließend nur noch als Erprobungsträger für neue Materialien und Verbesserungen der Technik eingesetzt worden. So wurden vor der Serienfertigung des ICE 2 die neuen Bugklappen getestet, um in Traktion fahren zu können. Nach 10 Jahren Einsatz fuhr der ICE-V im Sommer 1998 das letzte Mal. Er ist vom ICE-S (Erprobungsträger für den ICE-3) abgelöst worden.
Ab Mai 2000 war der ICE-V im Bahnbetriebswerk Hamburg-Eidelstedt abgestellt. Der mit Behelfsdrehgestellen versehene Triebkopf 410 001 und ein Demonstrationswagen befinden sich nun als Denkmal im Forschungs- und Technologiezentrum Minden, der andere Triebkopf im Forschungs- und Technologiezentrum in München (im Verkehrszentrum an der Theresienhöhe – alte Messe). Der zweite Demonstrationswagen sowie der dritte Mittelwagen wurden verschrottet.
Technische Daten des Intercity Experimental |
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| Zug- / Baureihenbezeichnung: | IntercityExperimental (IC-Experimental) Intercity-Versuchszug (ICE-V) Baureihe 410 |
| Einsatzland: | Deutschland |
| Hersteller: | Siemens Krauss-Maffei Krupp Thyssen-Henschel AEG BBC |
| Herstellungskosten pro Zug: | 48.1 Mio. Euro |
| Anzahl der Züge: | 1 Zug |
| Zugtyp | Triebzug |
| Anzahl der Triebköpfe: | 2 Triebköpfe |
| Anzahl der Mittelwagen: | 3 Mittelwagen |
| Anzahl der Sitzplätze 1. / 2. Klasse / Restaurant: | --- / 85 / --- |
| Baujahre: | 1985 - 1988 |
| Spurweite: | 1435 mm |
| Stromsystem(e): | 15 kV / 16,7 Hz |
| Zugleitsystem(e): | Indusi, LZB, SiFa (Deutschland) |
| Höchstgeschwindigkeit bei Versuchsfahrten: | 406,9 km/h am 01.05.1988 auf der Strecke "NBS Hannover-Würzburg bei Gemünden" |
| Technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit: | 350 km/h |
| Antriebsleistung des Zuges: | 8.400 kW ( 2 x 4200 kW ) |
| Beschleunigung des Zuges: | 0,71 m/s² |
| Anfahrzugkraft: | 270 kN |
| Bremssystem(e): | Triebkopf: Elektrische Nutzbremse Scheibenbremse Wirbelstrombremse Mittelwagen: Scheibenbremse Schienenmagnetbremse |
| Jakobsdrehgestelle: | Nein |
| Neigetechnik: | Nein |
| Zug fährt auch in Traktion: | Nein |
| Radtyp: | Monobloc |
| Anzahl der Achsen / davon angetrieben: | 20 / 8 |
| Achsformel: | Bo'Bo'+2'2'+2'2'+2'2'+Bo'Bo' |
| Federung: | Stahl- bzw. Luftfederung |
| Länge / Breite / Höhe der Triebköpfe: | 20.200 / 3070 / 3820 mm |
| Länge / Breite / Höhe der Mittelwagen: | 24.340 / 2930 / 3650 mm |
| Achslast: | 19.5 t |
| Leergewicht: | 296 t |
| Zuglänge: | 113 m |
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Angaben ohne Gewähr |
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