Serie E4 Max Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug in Japan

JR E4 Shinkansen Serie E4 FrontpartieShinkansen Serie E4 in der Standard-Klasse

Bestellung der Shinkansen-Serie E4

Berufspendler nutzen seit Ende der 80er Jahre vermehrt die Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge, um morgens nach Tokio zur Arbeit und abends nach Hause zu fahren. Die meisten kommen aus den rund 100 Kilometer nördlich gelegenen Städten Utsunomiya und Takasaki.[1] Da das Platzangebot in der Shinkansen-Baureihe 200 zu Stoßzeiten nicht mehr ausreichte, wurden ab 1994 sechs Doppelstock-Hochgeschwindigkeitszüge der Serie E1 unter dem Markennamen „MAX" in Dienst gestellt. MAX steht für Multi-Amenity-eXpress, was in etwa „Express mit mehreren Annehmlichkeiten" bedeutet.[5] Diese zwölfteiligen Einheiten reichten jedoch nicht aus, um das Reiseaufkommen zu bewältigen, weswegen es bereits wenige Jahre später zu einer erneuten Bestellung von Doppelstockzügen kam. Kawasaki Heavy Industries und Hitachi[7] wurden wieder mit einer Neukonstruktion beauftragt. Die Erfahrungen, die man mit den E1-Zügen bei deren Herstellung und Betrieb sammelte, flossen direkt in die Konstruktionspläne der Serie E4 ein.

Technik und Design des E4

Auffallend ist das neue Frontdesign der Hochgeschwindigkeitszüge. Von vorne sehen die Endwagen nicht gerade windschnittig aus. Das ist allerdings eine optische Täuschung, denn die tatsächlich sehr langgezogene Nasenform wurde aerodynamisch optimiert, um die Geräuschentwicklung bei hohen Geschwindigkeiten so gering wie möglich zu halten.[3] Im Gegensatz zur E1-Serie, die aus 12 Einheiten besteht, weist eine E4-Garnitur lediglich sechs Mittel- und zwei Endwagen auf. Zwei achtteilige Züge können in Doppeltraktion fahren. Dann stehen sage und schreibe 1634 Sitzplätze zur Verfügung – diese hohe Kapazität ist Weltrekord![3][4] Die Serie E4 ist als Achtteiler auch außerhalb der Stoßzeiten flexibler einsetzbar als die längere Serie E1, denn sie kann mit anderen Baureihen in Traktion fahren.[5] Zwei der 240 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszüge, die Ende 2003 ausgeliefert wurden, kommen auch mit einer Stromfrequenz von 60 Hertz zurecht, sodass man sie auf der Nagano-Shinkansen fahren lassen kann.[5]

Shinkansen E4 „MAX" im Betrieb

Am 20. Dezember 1997 begann der Plandienst mit 3 Zügen auf der stark befahrenen Tōhoku-Strecke nördlich von Tokio.[4] Weitere E4-Garnituren folgten zwischen 1999 und 2003. Diese konnten mit Shinkansen-Zügen der Baureihe 400 gekuppelt werden und verkehrten zuerst zwischen Tokio und Fukushima. Ab 2001 waren die Shinkansen-Züge E4 auch auch der Joetsu-Linie und ab 2003 auf den Nagano-Shinkansen unterwegs.[5] Mit dem Erscheinen neuer Shinkansen-Generationen fiel im März 2011 die Entscheidung, alle Züge der Baureihe E4 im Jahr 2016 außer Dienst zu stellen. Doch wegen der verzögerten Ablieferung der Shinkansen-Züge vom Typ E7 werden die verbliebenen E4-Garnituren nun erst im Jahr 2021 ausscheiden.[6]

Komfort für die Fahrgäste

Zwei Wagen des E4 bieten in der Green Class Reisenden einen höheren Komfort an als in den übrigen Wagen. Dort ist eine 2+2 Bestuhlung zu finden. In der sogenannten „Ordinary Class“ muss sich der Fahrgast mit einer 2+3 bzw. 3+3 Bestuhlung zufrieden geben.[4] Apropos Sitze: Dass man in Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszügen die Sitze immer in Fahrtrichtung drehen kann, ist allgemein bekannt. Im E4 werden sie allerdings von Motoren statt wie üblich vom Personal gedreht.[2] Natürlich wurde auch an die Rollstuhlfahrer gedacht, die im Wagen 8 Platz nehmen können. Im Wagen Nummer 5 werden Snacks verkauft. Ein Bordrestaurant sucht man vergebens. Dafür werden die Fahrgäste mit einer fahrbaren Minibar am Platz bedient.[3]

Quellenangaben

  1. Murray Hughes: "The Second Age of Rail — a history of high-speed trains", The History Press, Gloucestershire, 1. Auflage 2015, S. 38.
  2. Dr. Helmut Petrovitsch: "Das Shinkansen-Hochgeschwindigkeits-Netz in Japan", Eisenbahn-Revue International, 8-9/2002, S. 372-378.
  3. "E4 series Max Yamabiko, Max Nasuno", Website von JR East, Train Index, abgerufen am 04.04.2001.
  4. Tomas Meyer-Eppler: "Bildatlas der schnellsten Züge", Geramond Verlag, S. 131.
  5. Thomas Estler: "Schnelle Züge weltweit", transpress Verlag Stuttgart, 1. Auflage 2011, S. 122, 127-130.
  6. "JR East says sayonara to Series E4", www.railwaygazette.com, News vom 23.01.2021.
  7. "History of Rolling Stick Company", Kawasaki Heavy Industries, Ltd, Website abgerufen am 04.04.2021.

Technische Daten: Shinkansen Serie E4

Zug- / Baureihenbezeichnung:E4 Max
Einsatzland:Japan (JR East)
Hersteller:Hitachi
Kawasaki Heavy Industries
Anzahl der Züge:26 Züge
Zugtyp:Triebwagenzug
Anzahl der Endwagen:2 Endwagen
Anzahl der Mittelwagen:6 Mittelwagen
Anzahl der Sitzplätze 1. / 2. Klasse / Restaurant:54 / 763 / --- (1634 insg.)
Baujahre:1997 - 2003
Inbetriebnahme:20.12.1997
Spurweite:1435 mm
Stromsystem(e):25 kV 50 Hz
Zugleitsystem(e):ATC-2
DS-ATC
Höchstgeschwindigkeit im Plandienst:240 km/h
Antriebsleistung des Zuges:6.720 kW ( 16 x 420 kW )
Beschleunigung des Zuges:0,46 m/s²
Jakobsdrehgestelle:Nein
Neigetechnik:Nein
Zug fährt auch in Traktion:Ja
Anzahl der Achsen / davon angetrieben:32 / 16
Achsformel:2'2'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+2'2'+2'2'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+2'2'
Länge / Breite / Höhe der Endwagen:25.700 / 3380 / 4485 mm
Länge / Breite / Höhe der Mittelwagen:25.000 / 3380 / 4493 mm
Leergewicht:428 t

Aktualisiert am: 04.04.2021

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