Weltrekorde von Hochgeschwindigkeitszügen und Magnetschwebebahnen
ICE 3 mit voller Geschwindigkeit auf der Schnellfahrstrecke Frankfurt – Siegburg/Bonn. © André Werske
Interessiert man sich für Superzüge, darf die Rubrik „Rekorde“ natürlich auf keinen Fall fehlen. Schließlich unterscheiden sich Hochgeschwindigkeitszüge von „normalen“ Zügen durch ihre besonderen Leistungen.
Viele Rekorde im Vorzeigeland Japan
Die japanischen Shinkansen bullet trains haben selbst in Europa ein herausragend gutes Image. Das kommt nicht von ungefähr. Die Pünktlichkeit der Züge ist legendär. Im Mittel liegt die Verspätung eines Zuges bei sage und schreibe 24 Sekunden – vorsorgliche Betriebsunterbrechungen durch Taifune und Erdbeben mit einberechnet![1] Fährt ein Shinkansen-Triebfahrzeugführer in einen drei Kilometer langen Abschnitt mit einer Verspätung von mehr als 15 Sekunden ein, so hat er sich schriftlich zu verantworten.[2] Zudem wird viel Aufwand betrieben, damit die Hochgeschwindigkeitszüge auch bei widrigsten Wetterbedingungen einwandfrei funktionieren.[3] Seit dem Start des offiziellen Shinkansen-Betriebs im Jahr 1964 ist bis heute kein einziger Fahrgast in einem bullet train ums Leben gekommen – und das, obwohl Japan relativ häufig von Erdbeben heimgesucht wird.[4][5]
Über Jahrzehnte hinweg war nirgendwo auf der Welt die Zugfolge von Superzügen so dicht wie in Japan. „Ein zeitweise eingleisiger Fahrplanbetrieb ist angesichts einer Zugfolge jeweils im Sechs-Minuten-Intervall unmöglich. Alle Unterhalts- und Umbauarbeiten auf den Shinkansen-Strecken müssen ebenso wie Probefahrten während der nächtlichen Betriebspause von Mitternacht bis sechs Uhr erfolgen. Am Morgen muss die uneingeschränkte Befahrbarkeit beider Gleise wieder gewährleistet sein. Großumbauten bedingen langfristig voraus im Fahrplan eingearbeitete Betriebsstillstände an Sonntagen.“[6][7]
In den Neunzigerjahren wurden einige Versuchszüge gebaut, um die Technik der Züge weiterzuentwickeln und damit die betriebliche Höchstgeschwindigkeit deutlich steigern zu können. Die Baureihe 300X stellte 1996 mit 443 km/h einen japanischen Rekord auf und war zu diesem Zeitpunkt der zweitschnellste Zug der Welt.[8] Japan entwickelte auch die Magnetschwebetechnik zur Serienreife. Verschiedene SCMaglev-Prototypen erreichten sensationelle Geschwindigkeiten von 581 km/h[9] und 603 km/h.[10]
TGV-Geschwindigkeitsrekorde in Frankreich
Die schnellsten Züge der Welt kommen aus Frankreich. Mehrmals stellten sie Weltrekorde auf. Schon 1955 beschleunigten zwei Elektrolokomotiven auf jeweils 331 km/h.[11] Dieser Rekord wurde erst 1981 mit einem orangen TGV Sud-Est gebrochen, als die Tachonadel bei 380 km/h stehen blieb.[12] Fast ein Jahrzehnt später erforschten der TGV-Hersteller Alstom zusammen mit der Staatsbahn SNCF sowie dem Betreiber der Infrastruktur den Geschwindigkeitsbereich über 400 km/h. Im Dezember 1989 sprintete der TGV Atlantique mit 482,4 km/h zum Weltrekord.[13] Dieser Messwert wurde nur wenige Monate später getoppt: Erstmals fuhr ein Zug schneller als 500 km/h. Jener Augenblick, als die fünfteilige TGV-Atlantique-Garnitur am 18. Mai 1990 mit unglaublichen 515,3 km/h erneut das Blaue Band der Schiene ergatterte, ging unvergessen in die Geschichte der Eisenbahn ein.[13] 17 Jahre vergingen, bis Frankreichs Eisenbahn-Elite einen noch schnelleren Zug auf die Gleise stellte. Am 3. April 2007 raste der TGV V150 mit 574,8 km/h zum einem Weltrekord, der für ein bemanntes, kommerzielles Rad-Schiene-Fahrzeug noch heute Bestand hat.[14]
Kurz nach der Jahrhundertwende stellte ein TGV Réseau unter dem Projektnamen „Opération Sardine“ einen Langstreckenrekord auf. Der Zug fuhr von Calais am Ärmelkanal nonstop nach Marseille. Für die 1067 Kilometer lange Distanz benötigte der TGV nur 3 Stunden 29 Minuten 36 Sekunden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 305 km/h.[15] Leider gibt es auch einen negativen Rekord zu berichten: Die schnellste Entgleisung eines Hochgeschwindigkeitszuges passierte 1993 mit einem TGV-Réseau bei einer Geschwindigkeit von 294 oder 295 km/h. Glücklicherweise gab es dabei nur ein bis zwei Leichtverletzte zu beklagen.[16][17]
Weitere Rekorde in Europa
Deutschland setzte schon früh in der Geschichte der Eisenbahn auf schnelle Züge, die aber, wie der Schienenzeppelin, Exoten blieben. Erst mit der Schnellfahrlokomotive E 03 war ab 1965 Tempo 200 im Betrieb mit Fahrgästen möglich – nur 10 km/h weniger wie der japanische Shinkansen bullet train, der ein Jahr zuvor sein Debüt zwischen Tokio und Osaka gab.[18] Der erste echte Hochgeschwindigkeitszug war jedoch der InterCity-Experimental, der 1985 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Am 1. Mai 1988 stellte der vierteilige Zug mit 406,9 km/h den Weltrekord für Schienenfahrzeuge auf.[19] 37 Jahre später verpasste der ICE S mit 405 km/h jenen Wert nur knapp.[20]
Wie Japan forschte auch Deutschland an der Magnetschwebetechnik. Mit dem Transrapid 06 gelang es den Ingenieuren, die Bahn am 1. Juni 1988 auf 418 km/h zu beschleunigen.[21] Der Transrapid 07 steigerte den Wert im Sommer 1993 auf 450 km/h.[22] China setzte auf die deutsche Magnetschwebetechnik, die in Shanghai als Flughafenzubringer genutzt wird. Dort erreichte der Shanghai Maglev Train als Verwandter des Transrapid 08 im November 2003 beeindruckende 501,5 km/h.[23]
Italien war in den 70er und 80er Jahren für seine Pendolino-Züge berühmt, die mit Neigetechnik auf bogenreichen Strecken für kürzere Reisezeiten sorgten. Doch seitdem wurden jede Menge Schnellfahrstrecken gebaut, die zusammen ein großes T bilden: im Kern von Turin nach Venedig und von Mailand nach Neapel.[24] Der private Betreiber NTV besitzt mit dem französischen AGV eine Baureihe, die für 360 km/h im regulären Betrieb tauglich ist und damit zu den schnellsten Serienzügen Europas gehört.[25] Leider dürfen die roten Ferraris auf Schienen ihr Potenzial nicht ausspielen, denn das Geschwindigkeitslimit auf Italiens Schnellfahrstrecken liegt derzeit bei 300 km/h.[26] Der Frecciarossa 1000 von Bombardier bzw. Hitachi ist für sage und schreibe 400 km/h gebaut worden, was diese Baureihe zu den schnellsten Serienzügen der Welt macht.[27][28] Leider müssen sie wegen der Geschwindigkeitsbeschränkungen ebenfalls mit angezogener Handbremse fahren.
Spanien stieg 1992 ins Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge ein, als der kommerzielle Betrieb mit TGV-Zügen auf der 471 Kilometer langen, normalspurigen Schnellfahrstrecke von Madrid nach Sevilla startete.[29] Seitdem baute Spanien ein riesiges Netz an Hochgeschwindigkeitsstrecken. Mit Stand Februar 2026 ist es mit 3.973,7 Kilometern Länge das zweitgrößte der Welt.[30] In erster Linie für die Paradestrecke Madrid – Barcelona kaufte der spanische Bahnbetreiber RENFE Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens. Diese Baureihe S-103 ist für Tempo 350 im Fahrgastbetrieb ausgelegt. Als eine nicht-modifizierte Garnitur im Juli 2006 quasi „aus dem Stand“ 403,7 km/h erreichte, stellte sie einen Weltrekord auf – als schnellster Serienzug der Welt.[31]
China setzt sich unangefochten an die Spitze
Bis 1997 zuckelten die Züge mit noch nicht einmal 140 km/h durch China. Und erst ab April 2007 war endlich Tempo 200 möglich.[32] Wer hätte es damals auch nur ahnen können, dass sich China in Sachen Hochgeschwindigkeitszüge in nicht einmal acht Jahren unangefochten an die Weltspitze setzen wird?[33] China hat mehr Hochgeschwindigkeitszüge und -strecken, als alle übrigen Länder der Erde zusammengenommen![34] Mit Stand Dezember 2025 hat das Hochgeschwindigkeitsnetz eine phänomenale Länge von sage und schreibe 50.000 Kilometern![35] Beim Tempo gibt China ebenfalls den Ton an. 2010 konnten Fahrgäste erstmals erleben, wie es sich anfühlt, mit bis zu 380 km/h durchs Land zu brausen. Das war Weltrekord![36] Möglich wurde das mit den Baureihen CRH380A[37], CRH380BL[38] und CRH380D.[39] Gemäß dem World Speed Survey 2013 soll China das höchste Verkehrsaufkommen auf Schnellfahrstrecken haben. Mit mehr als 70 Zügen am Tag wurde die Strecke Beijing – Tianjin schon damals am häufigsten befahren.[40] Seit einigen Jahren ist China selbst in der Lage, hervorragende Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Sie sind als „Fuxing“ (deutsch: Verjüngung) bekannt und erreichen planmäßig Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h.[41] Im Dezember 2025 präsentierte der Hersteller CRRC die Nachfolge-Generation CR450, die technisch für 450 km/h ausgelegt ist und im regulären Betrieb 400 km/h fahren soll. Auch das wäre dann wieder ein Weltrekord![42]
Die schnellsten Bahnen und Züge im Überblick
Nachfolgend werden die schnellsten Züge und Bahnen der Welt aufgelistet, mit der höchsten Geschwindigkeit zuerst. Enden wird die Aufzählung bei 400 km/h. Die entsprechenden Artikel zum Zug oder zur Bahn sind jeweils verlinkt.
Japan: SCMaglev Serie L0
Japan: SCMaglev MLX01
Frankreich: TGV V150
Frankreich: TGV Atlantique
China: Shanghai Maglev Train
China: CRH380B
China: CRH380A
China: CR450AF
China: CR400BF-J
China: CR450BF
Deutschland: Transrapid 07
Japan: 300X
Frankreich: Aérotrain I-80 HV
Japan: Star 21
Südkorea: HEMU 430X
China: CR400AF Red Dolphin
Deutschland: Transrapid 06
Deutschland: InterCity Experimental
Deutschland, Österreich, Schweiz: ICE-S
Spanien: AVE S-103
Quellenangaben
- Dr. Helmut Petrovitsch: „Das Shinkansen-Hochgeschwindigkeits-Netz in Japan“, Eisenbahn-Revue International, 07/2002, S. 324.
- Wolfram Veith: „Shinkansen – Schnellbahnen in Japan“ in: „Internationaler Schnellverkehr – Superzüge in Europa und Japan“, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, 1994, S. 67.
- Dipl.-Ing. Sven Andersen: „Hochgeschwindigkeitsland Japan im Jahr 2015“, Eisenbahn-Revue International, 10/2015, S. 494.
- Dr. Helmut Petrovitsch: „50 Jahre Shinkansen“, Eisenbahn Magazin, 10/2014, S. 12.
- „Blitzschnell: Japans makelloser Shinkansen feiert seinen 60. Geburtstag“, Portal.hr, 30.09.2024.
- Dr. Helmut Petrovitsch: „50 Jahre Shinkansen“, Eisenbahn Magazin, 10/2014, S. 7.
- „Tokaido upgrade to beat back air competition“, Railway Gazette International, 01.04.2003.
- Isao Okamoto: „Shinkansen Bogies“, Japan Railway & Transport Review 19, 03/1999, S. 48.
- „Japanischer Zug erreicht 581 Kilometer pro Stunde“, Spiegel Online, 03.12.2003.
- Zhendong Liu, Sebastian Stichel, Mats Berg: „Overview of Technology and Development of Maglev and Hyperloop Systems“, KTH Royal Institute of Technology, Department of Engineering Mechanics, Teknikringen 8, SE10044 Stockholm, 2022, S. 16.
- Philippe Lorin: „Die Entwicklung der Zugsgeschwindigkeiten in Frankreich“ in: „TGV – Der schnellste Zug der Welt“, Orell Füssli Verlag Zürich und Schwäbisch Hall, 1984, S. 12.
- Harald Schönfeld: „25 Jahre TGV-Verkehr“, Eisenbahn Magazin, 10/2006, S. 28.
- „Der TGV läßt alle Konkurrenten weit hinter sich“, Eisenbahn Magazin, 09/1990, S. 16.
- „Vom Hochgeschwindigkeitsprogramm zum Weltrekord“, Eisenbahn-Revue International, 06/2007, S. 274.
- „Von der Nordsee zum Mittelmeer: 1067,2 km in dreieinhalb Stunden“, Eisenbahn-Revue International, 7/2001, S. 310-312.
- Brian Perren: „Unfälle und Pannen“ in: „Der TGV – mit hoher Geschwindigkeit zum Erfolg“, Minirex AG, Luzern, 2003, S. 83.
- Murray Hughes: „Ganz Frankreich will den TGV“ in: „Die Hochgeschwindigkeitsstory – Eisenbahnen auf Rekordfahrten“, Alba Publikation AIF Teloeken GmbH + Co. KG, Düsseldorf, 1994, S. 153.
- „Schnelle Bahnen in Europa“, Eisenbahn Magazin, 12/1989, S. 50.
- „ICE“, Bahn-Special 9703, GeraNova Zeitschriftenverlag, München, 03/1997, S. 15.
- „ICE-Testzug fährt bis zu 405,0 km/h und sammelt wichtige Erkenntnisse für den Hochgeschwindigkeitsverkehr“, Deutsche Bahn Pressemitteilung, 28.06.2025.
- Murray Hughes: „Die Teststrecke im Emsland“ in: „Die Hochgeschwindigkeitsstory – Eisenbahnen auf Rekordfahrten“, Alba Publikation AIF Teloeken GmbH + Co. KG, Düsseldorf, 1994, S. 62.
- Hans Georg Raschbichler: „Magnetschnellbahn Transrapid – Die Innovation der Bahntechnik“ in: „Internationaler Schnellverkehr – Superzüge in Europa und Japan“, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, 1994, S. 172.
- David Harder: „CF600 auf Shanghai Transrapid-Strecke gefordert“, Magnetbahn.org, abgerufen am 02.08.2025.
- „In Italien entsteht ein Hochgeschwindigkeitsnetz“, Eisenbahn-Revue International, 8–9/2006, S. 392.
- „Alstom’s high-speed train able to run at 360 km/h launched in Italy“, Alstom Press Release, 03.05.2012.
- Marco Chiandoni: „Italy rejects plans to increase speed to 350 km/h“, International Railway Journal, 31.05.2018.
- „ETR1000 – Frecciarossa“, High-Speed Trains, Hitachi Rail Website, abgerufen am 18.01.2026.
- „Frecciarossa 1000“, Finmeccanica.com Website, abgerufen am 04.09.2014.
- „Mit Tempo 250 zur Expo ‘92“, Eisenbahn Magazin 06/1992, S. 24.
- „Red de alta velocidad – Líneas de alta velocidad“, adif Website https://www.adifaltavelocidad.es/sobre-adif-av/red-av, abgerufen am 08.02.2026.
- „Die ersten Passagiere fahren im Weltrekordzug Velaro“, Innoreports, 22.06.2007.
- „Schnellere Züge in China“, Eisenbahn-Revue International, 06/2007, S. 283.
- Andrés Allemand: „Mit Highspeed zur Nr. 1 auf Schienen“, Tagesanzeiger.ch, 23.02.2015.
- 分享到: „China's high-speed rail sees major leap in both capacity, service quality“, Chinese Today, 01.01.2026.
- Andreas Donath: „China baut Hochgeschwindigkeitsnetz auf 50.000 km aus“, Golem, 26.12.2025.
- „Wuhan – Guangzhou line opens at 380 km/h“, Railway Gazette International, 04.01.2010.
- „CRH380A 380 km/h High-speed Train“, Rolling Stock, CRRC, 29.02.2016.
- „CRH380BL 380 km/h High-speed Train“, Rolling Stock, CRRC, 26.02.2016.
- Dipl.-Ing. Ralf Niklass: „World’s fastest train poised to enter service“, Railway Gazette International, 02/2014, S. 66.
- „How fast is fast enough?“, World Speed Survey 2013, Railway Gazette International, 07/2013, S. 31.
- „Fuxing China standard high speed trainsets enter service“, Railway Gazette International, 28.06.2017.
- „Unveiling the Future of High-Speed Rail: CR450 EMU Prototype Debuts at 400 km/h A Breakthrough in Rail Technology, the CR450 EMU Sets New Standards for Speed, Safety, and Comfort“, CRRC, News vom 02.01.2025.




















