Hochgeschwindigkeitszüge in Japan

Japan ist das Geburtsland der schnellen Züge. Am 1. Oktober 1964 nahm die damalige Japanische Staatsbahn JNR den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen den Metropolen Tokio und Osaka auf. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 210 Stundenkilometern fuhren die sogenannten "bullet trains" (Geschoss-Züge) auf der ersten, 515 Kilometer langen, normalspurigen Schnellfahrstrecke. Der Begriff "Shinkansen" bedeutet wörtlich "neue Hauptstrecke" und war ursprünglich die Bezeichnung für die Schnellfahrstrecken. Doch inzwischen wird das Wort "Shinkansen" synonym für die bis zu 320 km/h schnellen japanischen Superzüge gebraucht.

1987 wurde die Staatsbahn privatisiert und in mehrere Bahngesellschaften aufgeteilt, was zur Folge hatte, dass Neuanschaffungen nicht mehr gemeinsam getätigt wurden, sondern jeder seiner eigenen Hochgeschwindigkeitszug-Philosophie nachging. So entstand eine bunte Vielfalt von Baureihen auf dem Shinkansen-Netz. Inzwischen wurden jedoch viele der älteren, verschlissenen Zuggenerationen ausgemustert.

Legendär und bewundernswert ist nicht nur die hervorragende Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge, sondern auch deren Sicherheit. Nicht ein Fahrgast kam bisher in einem Shinkansen-Zug zu Schaden. Japan ist damit ein hehres Vorbild für Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen in anderen Ländern.

Nachfolgend werden alle Shinkansen-Züge nach Baureihen sortiert vorgestellt, die aktuell im Einsatz sind, bereits ausgemustert wurden oder demnächst in Betrieb gehen. Darüber hinaus gab es einige Versuchszüge, die Wegbereiter für neue Serienfahrzeuge waren. Erwähnenswert sind natürlich auch die verschiedenen Diagnosefahrzeuge, die an der Instandhaltung der Infrastruktur beteiligt waren bzw. sind.

Aktualisiert am: 04.04.2014

Zugübersicht in chronologischer Reihenfolge der Betriebsaufnahme

Shinkansen Serie 0

Shinkansen Serie 0 als Kodama im Bahnhof Higashi-Hiroshima

Die Shink­an­sen-Triebwa­genzüge der Serie 0 waren die ers­ten Hoch­ge­schwin­digkeits­züge der Welt. Am 1. Okto­ber 1964 nah­men sie auf der Toka­ido-Stre­cke zwi­schen Tokio und Osaka den Betrieb auf. Wegen ihrer außergewöhn­li­chen Kopf­form nannte man sie auch "Geschoss-Züge" (bullet trains). Bereits zur Jahr­tausendwende waren die meis­ten Gar­nitu­ren aus­gemus­tert wor­den. Der letzte Shink­an­sen der Serie 0 fuhr am 14. Dezember 2008.



Shinkansen Doctor Yellow

Shinkansen-Messzug "Doctor Yellow" Serie 0

In regelmäßigen Abstän­den prüfen Shink­an­sen-Mess­züge die Gleise, Ober­lei­tung, Signal­anla­gen und elek­tri­sche Einrich­tun­gen auf Ver­ände­run­gen. Auf­grund ihrer dia­gnos­ti­schen Auf­ga­ben und der auf­fäl­lig gel­ben Lackie­rung kamen die Züge schnell zu ihrem Spitz­na­men "Doc­tor Yel­low". Im Laufe der Jahre wur­den die älte­ren Bau­reihen durch moder­nere ersetzt.



Maglev (Chuo Shinkansen)

Maglev begegnen sich

Mit 603 km/h ist der Ver­suchs­trä­ger MLX01 der schnellste Magnet­schwe­bezug der Welt. Das supra­lei­tende Schwe­ben ist eine Domäne der Japaner. Der Mag­lev ist die Konkur­renz zum deut­schen Transra­pid. Seit Ende Dezember 2007 ist es offi­zi­ell: In Japan wird die erste Hoch­ge­schwin­digkeits-Mag­lev-Stre­cke gebaut. Ab 2025 soll der reguläre Per­so­nenver­kehr mit bis zu 600 km/h auf­ge­nom­men wer­den.



Shinkansen Serie 200

Ausrangierte JR Baureihe 200

Für die schnee­rei­chen Gegen­den der Nord-Ost-Stre­cke bestellte die dama­lige japa­ni­sche Staats­bahn die Bau­reihe 200. Deut­li­che Erkennungs­merkmale waren die grün-beige Lackie­rung und die große Schnee­schar unter­halb der Nase. Die Shink­an­sen der Serie 200 erschie­nen noch vor der Serie 100 und wur­den ab 1980 ein­ge­setzt. 1997 muss­ten die ers­ten Fahrzeuge bereits aus­rangiert wer­den. Seit März 2013 ist die zweite Shink­an­sen-Gene­ra­tion nicht mehr in Betrieb.



Shinkansen Serie 100

Shinkansen Serie 100

Erst 1985 erschien die dritte Shink­an­sen-Gene­ra­tion in Form der Serie 100 und trat die direkte Nach­folge der Serie 0 auf den Toka­ido- und Sanyo-Schnell­fahr­stre­cken an. Die Züge sind leich­ter, windschlüpf­ri­ger, aber mit bis zu 230 km/h Höchstge­schwin­digkeit kaum schnel­ler als die Ur-Shink­an­sen. Ein besonde­res High­light war die Einfüh­rung von zwei Dop­pel­stockwa­gen pro Zugver­bund. Die ers­ten Gar­nitu­ren wur­den 1999 außer Dienst gestellt. Im März 2012 ver­schwand auch der letzte Zug der Bau­reihe 100 von der Bild­flä­che.



Shinkansen Serie 300

Shinkansen Serie 300

Die Shink­an­sen-Hoch­ge­schwin­digkeits­züge der Bau­reihe 300 tauch­ten ab März 1992 im Fahr­plan auf. Sie waren tech­nisch für 300 Stun­denki­lome­ter aus­gelegt, im All­tag ver­kehr­ten sie jedoch nur mit 270 km/h. Sowohl was die Tech­nik als auch das Design betrifft, hat­ten sie nichts mehr mit den Vor­gängern der Bau­reihen 0 und 100 gemein. Die Züge wur­den auf den Toka­ido- und Sanyo-Shink­an­sen betrie­ben. Im März 2012 wurde die letzte Gar­nitur auf das Abstell­gleis gescho­ben.



Shinkansen Serie 400

Shinkansen Serie 400 der JR East als Tsubasa im alten Farbschema.

Die­ser schnit­tige Silber­pfeil in Form der Shink­an­sen-Serie 400 wurde äußerst schlank gebaut, um auch auf kurvenrei­chen Umbau­stre­cken mit schmalem Licht­raum­profil fah­ren zu kön­nen. Die Höchstge­schwin­digkeit der 12 Ein­hei­ten lag bei 240 km/h, wie­wohl bei Ver­suchsfahr­ten 345 km/h erreicht wur­den. Ihr Ein­satzgebiet erstreckte sich von Tokio über Fukushima bis nach Yama­gata. 2010 wur­den die Shink­an­sen der Bau­reihe 400 von Fahrzeugen der Serie E3 abge­löst.



Shinkansen Star 21

Star 21 Endwagen 952

Um die Höchstge­schwin­digkei­ten der Seri­en­züge spürbar zu erhö­hen und den Fahr­komfort zu stei­gern, waren Ver­suchsfahrzeuge wie der Star 21 unabdingbar. Mit die­sem Test­zug wur­den unter­schied­li­che Wagen­kas­ten­kon­struk­tio­nen und ver­schiedene Drehge­stelltypen unter­sucht. Im Dezember 1993 stellte der allachs­ange­triebene Star 21 mit 425 km/h einen japa­ni­schen Geschwin­digkeitsre­kord auf. Die Tests wur­den von JR East auf den Tohoku- und Joe­tsu-Shink­an­sen durch­ge­führt.



Shinkansen WIN 350

WIN 350 Endwagen 1

In den Jah­ren 1992 bis 1996 unter­nahm der Shink­an­sen­be­treiber JR West Ver­suchsfahr­ten mit dem Expe­ri­men­talzug WIN350, der unter ande­rem mit aktiven Dämpfern und Neige­tech­nik auf­war­tete. Auf der Sanyo-Schnell­fahr­stre­cke drang man in den Geschwin­digkeitsbe­reich von 350 Stun­denki­lome­tern vor, doch seine tech­ni­sche Aus­le­gungs­ge­schwin­digkeit von 385 km/h erreichte er nicht. Der WIN350 war der Weg­berei­ter für der Seri­en­fahrzeuge der Bau­reihe 500.



Shinkansen Serie E1

JR E1 Max

Ursprüng­lich als Shink­an­sen der Serie 600 vor­ge­se­hen, trugen diese 240 km/h schnel­len Hoch­ge­schwin­digkeits­züge die Bau­reihen­bezeich­nung E1. Dies waren die ers­ten, rei­nen Dop­pel­stock-Shink­an­sen-Züge. In einer nur 302 Meter lan­gen Gar­nitur waren sage und schreibe 1235 Sitz­plätze unter­ge­bracht. JR East betrieb die insge­samt nur sechs Züge auf den Tohoku- und Joe­tsu-Shink­an­sen.



300X

300X Versuchszug Endwagen 1

Nach JR East und JR West ließ auch der japa­ni­sche Bahn­be­trei­ber JR Cen­tral ab 1995 von der ein­hei­mi­schen In­dus­trie ei­nen Ver­suchs­zug her­stel­len. In ge­mein­sa­mer Ab­spra­che stell­te je­der der vier Her­stel­ler sei­nen ei­ge­nen Zug­teil her, wo­bei sich die End­wa­gen im De­sign deut­lich un­ter­schie­den. Am 26. Ju­li 1996 stell­te der Shink­an­sen 300X mit 443 km/h ei­nen neu­en ja­pa­ni­schen Re­kord auf, was ihn da­mals zum zweit­schnells­ten Zug der Welt mach­te.



Shinkansen Serie 500

Shinkansen Serie 500

Wunder­werke der Tech­nik mit futu­ris­ti­schem Design — das sind die Shink­an­sen-Hoch­ge­schwin­digkeits­züge der Serie 500. Vollge­stopft mit einer Menge an tech­ni­schen Fines­sen waren die allachs­ange­triebe­nen High­tech-Shink­an­sen der­maßen teuer, dass nur 9 der 16-tei­ligen Gar­nitu­ren gebaut wur­den. JR West betreibt die 300 km/h schnel­len Sprin­ter auf den Toka­ido- und Sanyo-Shink­an­sen. Jah­re­lang führ­ten diese Züge die Bes­ten­liste mit den höchs­ten Durch­schnittsge­schwin­digkei­ten der Welt an.



Shinkansen Serie E3

Shinkansen Serie E3 im Bahnhof Shizukuishi auf der Akita-Strecke.

Wie die Bau­reihe 400 gehört die Shink­an­sen-Bau­reihe E3 eben­falls zur Gat­tung der Mini-Shink­an­sen. Mit der Eröff­nung der Akita-Umspur­stre­cke wur­den diese Gar­nitu­ren notwen­dig, weil herkömm­li­che Shink­an­sen-Züge zu breit sind. Nur auf der Tohoku-Schnell­fahr­stre­cke errei­chen die Züge 275 km/h. Einige Jahre spä­ter ersetzte JR East die Fahrzeuge der Serie 400 durch nach­be­stellte E3-Gar­nitu­ren.



Shinkansen Serie E4

JR E4

Die Serie E4 ist die zweite Gene­ra­tion von Dop­pel­stock-Shink­an­senzügen. Ende 1997 nahm JR East mit drei Gar­nitu­ren den Plandienst auf der Tohoku-Schnell­fahr­stre­cke auf. Fah­ren die E4 in Dop­peltrak­tion, fin­den bis zu 1634 Fahrgäste Platz — das ist Welt­re­kord. Inzwi­schen ver­keh­ren die 240 km/h schnel­len E4 nur noch auf den Joe­tsu-Shink­an­sen. Von den 26 Zügen wur­den bereits zwei ver­schrot­tet. Für 2016 steht die Aus­mus­te­rung der komplet­ten Serie an.



Shinkansen Serie E2

Shinkansen Serie E2, Variante J, auf den Nagano-Shinkansen bei Karuizawa.

Für die schnee- und steigungs­rei­che Shink­an­sen-Stre­cke nach Nagano ließ JR East Mitte der Neunzi­ger die Shink­an­sen-Bau­reihe E2 her­stel­len. Die acht- bzw. zehn­tei­ligen, moder­nen und komfor­ta­blen Züge errei­chen auf den Tohoku-Shink­an­sen bis zu 275 Stun­denki­lome­ter. Insge­samt 53 Gar­nitu­ren wur­den bis 2010 in Betrieb genom­men, wobei die ältes­ten Fahrzeuge seit 2013 aus­gemus­tert wer­den.



Shinkansen Serie 700

JR Baureihe 700

JR Cen­tral und JR West beschaff­ten gemein­sam Ende der neunzi­ger Jahre Shink­an­sen-Züge der Serie 700. Sie sind 20 Pro­zent güns­ti­ger als die Bau­reihe 500 und über­nah­men in ers­ter Linie die schnel­len Nozomi-Dienste, bis sie dort von der neuen Ver­sion N700 abge­löst wur­den. Zwi­schen Osaka und Hakata sind acht­tei­lige Gar­nitu­ren als "Hikari Rail Star" unter­wegs. Auf­fal­lend ist die aerodynamisch gestal­te­ten Kopf­form, die an einen Entenschna­bel erin­nert und dem Tun­nelk­nall ent­gegenwirkt.



Shinkansen East i

East-i im Betriebswerk

JR East bestellte einen neuen, sechs­tei­ligen War­tungs­zug, der von den Seri­en­fahrzeugen des Typs E3 abge­lei­tet und Ende August 2001 aus­geliefert wurde. Der "East i" ist für die Über­prüfung von Oberbau und Ober­lei­tun­gen auf den Yama­gata- und Akita-Shink­an­sen vor­ge­se­hen. Ein weite­rer, sieb­ter Wagen kann in einen norma­len Hoch­ge­schwin­digkeits­zug des Typs E2 ein­ge­baut wer­den. Die Höchstge­schwin­digkeit des "East i" beträgt 275 km/h.



Shinkansen Serie 800

Shinkansen Serie 800 im Bahnhof Kurume.

JR Kyushu trat erst 2004 dem Club der schnel­len Shink­an­sen-Züge bei. Hit­a­chi stellte insge­samt 30 Gar­nitu­ren der Shink­an­sen-Serie 800 her, die tech­nisch für 285 km/h aus­gelegt ist. Im all­täg­li­chen Betrieb ver­keh­ren die Super­züge jedoch nur mit 260 Stun­denki­lome­tern. Da die Kyushu-Stre­cke sehr tun­nelreich ist, wurde viel Wert auf ein anspre­chen­des Innende­sign gelegt.



Fastech 360

Fastech 360S im Bahnhof

Die Serie E954 mit dem Kunst­wort "FAS­TECH 360 S" war ein Ver­suchs­zug der JR East zur Unter­su­chung des Geschwin­digkeitsbe­rei­ches von bis zu 405 km/h. Der Zug fiel äußer­lich besonders durch die Notfall­luftbrem­sen und dem lang gezogen­den Endwa­gen-Design auf. Ziel war die Ent­wick­lung von besonders lei­sen und effi­zi­en­ten Seri­en­zügen für das Stre­cken­netz der JR East.



Shinkansen Serie N700(A)

Shinkansen Serie N700 auf der Sanyo-Shinkansen zwischen Okayama und Aioi.

Insge­samt 126 Züge der Shink­an­sen-Bau­reihe N700 sowie 13 noch­mals ver­be­s­serte N700A wer­den seit 2005 von der Indus­trie an die Bahn­ge­sellschaf­ten JR Cen­tral, JR West und JR Kyushu abge­liefert. Sie zeich­nen sich durch eine hohe Beschleu­nigung, eine rudi­mentäre Neige­tech­nik sowie eine hohe Wirt­schaft­lichkeit aus. Mit 300 Stun­denki­lome­tern über­neh­men sie die Nozomi-Leis­tun­gen und lösen mit­tel­fris­tig die Serien 300, 500 und 700 ab.



Shinkansen Serie E5

JR East Shinkansen Serie E5 als "Hayabusa" erreicht Omiya.

Die Shink­an­sen-Züge der Serie E5 basie­ren auf dem Ver­suchs­zug FAS­TECH 360 S und sind die erste Neu­anschaffung von JR East nach 14 Jah­ren. 59 zehn­tei­lige Gar­nitu­ren wur­den bei Hit­a­chi und Kawa­saki bestellt. Den Plandienst nah­men die ers­ten Ein­hei­ten am 5. März 2011 auf und ver­bin­den Tokio mit dem Nord­os­ten Japans. Seit März 2013 sind die E5 mit bis zu 320 Stun­denki­lome­ter die schnells­ten Shink­an­sen-Züge des Lan­des.



Shinkansen Serie E6

JR East E6 Hochgeschwindigkeitszug

Im März 2013 ging eine neue Gene­ra­tion von Mini-Shink­an­sen-Zügen an den Start. Die Serie E6 ist eine Weiter­entwick­lung des Ver­suchs­zugs FAS­TECH 360Z und ersetzt sukzes­sive die älte­ren Fahrzeuge vom Typ E3. Sie pen­deln zwi­schen den Städ­ten Tokio und Akita, wobei sie zwi­schen der Landes­haupt­stadt und Morioka in Dop­peltrak­tion mit der Shink­an­sen Serie E5 bis zu 320 km/h errei­chen.



Shinkansen Serie E7/W7

Shinkansen Serie E7

Mit dem landes­wei­ten Fahr­pl­anwech­sel am 15. März 2014 nah­men die ers­ten Gar­nitu­ren der Shink­an­sen Serie E7 den Betrieb auf. Sie­ben Hoch­ge­schwin­digkeits­züge pen­deln jeden Tag zwi­schen Tokio und Nagano. Sie erset­zen nach und nach die Züge der Bau­reihe E2, die bereits seit 1997 im Plandienst ste­hen.