CRH500 bzw. CIT500 – Test- und Diagnosezug in China
CRH500 – 27.12.2011 © Tycho de Feijter
Als am 3. Dezember 2010 Chinas erste „Eigenproduktion“, die Serie CRH380AL, auf einem Abschnitt der Rennstrecke Beijing – Shanghai 486,1 km/h erreichte, horchte die Bahnwelt auf. China zeigte, was ihre eigene Eisenbahnindustrie fähig war zu entwickeln. Aber ziemlich genau ein Jahr später wurde von CSR Qingdao Sifang ein sechsteiliger Experimentalzug namens „CIT500“ bzw. „CRH500“ mit beeindruckenden Werten vorgestellt.[1][2] Das eine Ende des Superzuges hat ein auffälliges Frontdesign, das an ein traditionelles chinesisches Schwert erinnert. Für das Design der andere Nase stand der CRH380A Pate.[3]
Alle Achsen sind motorisiert. Die Antriebsleistung liegt bei sage und schreibe 22,8 Megawatt, also 3,2 Megawatt mehr als der TGV V150, der bekanntlich 574,8 km/h erreichte! Einige für den Bau des Zuges verwendeten Materialien bestehen aus glasfaserverstärkten Kunststoffen, um Gewicht einzusparen.[4] Ein verstärktes Bremssystem und verbesserte Sicherheitssysteme sind weitere Pluspunkte des CIT500 bzw. CRH500.[5] Damit hätte dieser Versuchszug das Potenzial gehabt, einen neuen Weltrekord für Schienenfahrzeuge aufzustellen, doch zunächst wurde es sehr ruhig um das Fahrzeug.[1] Nach dem schweren Auffahrunfall ein halbes Jahr zuvor, ruderte die Eisenbahnbehörde Ministry of Railways (MoR) zurück. Der CIT500 wurde erst einmal eingemottet.[6] Erst im Frühjahr 2014 kam wieder Bewegung in das Hochgeschwindigkeitsfahrzeug, als auf einem Rollprüfstand 605 km/h erreicht wurden. Doch in Natura durfte die sechsteilige Garnitur ab April 2014 nicht schneller als 385 km/h fahren,[1] auch wenn andere Medien – und sogar der stellvertretende Chefingenieur von CSR Qingdao Sifang – behaupten, auf einer Teststrecke schon mit Tempo 500 oder 600 einen neuen Rekord aufgestellt zu haben.[4][7]
Glücklicherweise wurde der CRH500 im Nachgang nicht verschrottet, sondern von einem Experimental- zu einem Netzinstandhaltungszug umfunktioniert, um Gleise, Oberleitung und Signalanlagen von Schnellfahrstrecken zu überprüfen. Er trägt nun die Baureihenbezeichnung CRH380AM-0204.[6] Im Februar 2026 war der stylische Diagnosezug in Fuzhou zu sehen.[8]
| Zug- / Baureihenbezeichnung: | CRH500 |
| Einsatzland: | China |
| Hersteller: | CSR Qingdao Sifang Locomotive |
| Anzahl der Züge: | 1 Zug |
| Zugtyp: | Triebzug |
| Anzahl der Mittelwagen: | 4 Mittelwagen |
| Anzahl der Endwagen: | 2 Endwagen |
| Baujahr: | 2011 |
| Spurweite: | 1435 mm |
| Stromsystem(e): | 25 kV 50 Hz |
| Technisch zugelassene Höchstgeschwindigkeit: | 500 km/h Technisch für 500 km/h ausgelegt. April 2014: 605 km/h auf Rollprüfstand in Qingdao |
| Antriebsleistung des Zuges: | 22.800 kW ( 24 x 950 kW ) |
| Anzahl der Achsen / davon angetrieben: | 24 / 24 |
| Achsformel: | Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo'+Bo'Bo' |
Quellenangaben
- Murray Hughes: „The Dragon Storms on to the Stage“ in: „The Second Age of Rail – A History of High-speed Trains“, The History Press, 2015, S. 122.
- Tycho de Feijter: „Introducing the mighty CRH500, China’s new 500km/h Record Train“, CarNewsChina, 27.12.2011.
- „500 km/h auf Schienen – China stellt neuen Hochgeschwindigkeitszug vor“, Spiegel Online, 28.12.2011.
- Eric Mack: „Sword-inspired Chinese train hits 311 mph in testing“, New Atlas, 01.01.2012.
- Aaron Saenz: „China’s newest train hits 500 km/h! Only a taste of what’s to come“, SingularityHub, 18.01.2012.
- Murray Hughes: „The Dragon Storms on to the Stage“ in: „The Second Age of Rail – A History of High-speed Trains“, The History Press, 2015, S. 136.
- „CSR zeigte Hochgeschwindigkeits-Versuchszug“, InnoTrans Report Nr. 4, 16. Jahrgang, Oktober 2012.
- DK16AG: „[CN] Eisenbahnen in meiner Heimatstadt: Fuzhou, China“, Drehscheibe Online, Auslandsforum, Post vom 11.02.2026 (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,11375645,11375680#msg-11375680, Bild 8), abgerufen am 13.02.2026.
